Wir, die wir jung sind

„Wir, die wir jung sind“ wurde von Preti Taneja geschrieben und hat die dramatische Geschichte einer Familie in Indien zum Inhalt. 

Zur Autorin: 
Preti Taneja ist eine englische Journalistin, Herausgeberin und Schriftstellerin. Sie stammt aus einer indischen Familie und ist in Großbritannien geboren und aufgewachsen. Sie hat als Menschenrechtsaktivistin und Journalistin gearbeitet, schreibt über Literatur und Kunst, unterrichtet an einer Uni usw. und sofort. Eine umtriebige junge Frau also, intelligent genug, den Versuch zu wagen, englische und indische Literatur zu verknüpfen. 
Der Roman ist eine Adaptation von Shakespeares King Lear und man darf sich laut Autorin gern an Dante oder Beckett erinnert fühlen. Überhaupt ist der Text mit mehr oder weniger offensichtlichen Zitaten gespickt. 
Das ist mir leider nicht aufgefallen. Ich hatte ganz andere Probleme. 
Da erscheinen Babuji und Gargli, Sita und Jiva, Kritik und Kashyap und noch viele andere Figuren, deren Namen ich mir nicht merken konnte. 
Das habe ich schon bei Dostojewksi gehasst, jetzt gibt es also die indische Variante. Wenigstens gibt es hinten im Buch ein Glossar der wichtigsten Begriffe. Aber wer sich einen Gefallen tun möchte, legt sich ein Register mit den Namen an, um sich nicht permanent fragen zu müssen, wer das jetzt schon wieder gewesen ist. 
Die Geschichte ist schnell erzählt. Es geht um einen mächtigen alten Patriarchen, der seinen indischen Mischkonzern an mögliche weibliche und männliche Nachfolger aufteilen will. Jetzt beginnt ein Machtkampf, der auch ein Geschlechterkampf ist, so jedenfalls der Klappentext. Und zwar über 600 Seiten. Was lässt sich dazu sagen? 
Es wird bestimmt Leser geben, die etwas mit der indischen Kultur anfangen können. Leser, die die Geduld mitbringen, sich mit dieser Kultur gedanklich auseinanderzusetzen und dann auch noch Verbindungen zu King Lear herstellen können. 
Ich bin an dieser Aufgabe komplett gescheitert. 
Was interessiert mich indische Wirtschaft und Emanzipation? Warum sollte ich mich mit diesen teilweise grauenhaften Szenen aus einem Kulturkreis befassen, der – und ich danke dem Herrn dafür – nichts mit unserem zu tun hat? 
Taneja schreibt wirklich gut, wortreich, ausgefeilt, ihr Stil gefällt mir ausgesprochen gut. Er ist an keiner Stelle plump. 
Aber. Wer soll denn mit so einer Geschichte etwas anfangen? Die Geschichte der Machtübergabe in einem indischen Konzern? Verknüpft mit indischen Bemühungen um Emanzipation? Das Ganze aufbereitet mit shakespearschem Hintergrund? 
Ich würde dieses Buch immer mal wieder zur Hand nehmen, um darin ein paar Seiten zu lesen, aber am Stück ist das eine wirklich abartige Quälerei. 
Die Handlung zieht sich dermaßen langatmig dahin, dass ich tatsächlich beim Lesen eingeschlafen bin. 

Mein Fazit: Wer einen spannenden Roman erwartet, wird enttäuscht werden. Es sei denn, der geneigte Leser hat einen speziellen Bezug zu Indien. 
Stilistisch sicher ganz hervorragend. Etwas aufgeblasen die Idee mit der Adaptation von Shakespeare. Wer mal eine dicke Schwarte aus einem anderen Kulturkreis lesen möchte, der kann sich auch IQ84 von Haruki Murakami reinziehen und wird wesentlich besser unterhalten.