So öde kann Montana sein

Man stelle sich einmal vor, ich würde einen Roman schreiben über einen Bauernjungen, der in Ostwestfalen aufwächst, der Vater hat ein paar Holsteinische Kühe. Er selber prügelt sich nicht ungern, wenn er nicht zur Schule geht, leider haben wir in Ostwestfalen nicht diese Schulprobleme, wie es sie an Colleges offenbar in ganz Amerika gibt. Wo man sich andauernd prügelt und sonst Football spielt oder sich einen Blowjob verpasst oder verpassen lässt oder einfach einen erfindet, während man einen schlechten Burger isst.
Dann verliebt sich der Bauernlümmel unglücklich, hat Sex mit einer Nachbarin, verliebt sich noch mehr und geht in eine andere Stadt. Dann verliebt er sich wieder, arbeitet als Knecht, isst ungesund und liest wenig. Ach ja, er angelt ab und an.
Die meisten Leser würden vermuten, dass ich nicht alle Tassen im Schrank habe, wenn ich, zwar gekonnt, aber nichtsdestotrotz scheißlangweilig, über derart unfassbar banalen Mist schreiben würde. Und sie würden mir zu Recht unterstellen, dass ich nicht die hellste Kerze auf dem Kuchen bin.
Nun soll ich mir diesen Scheiß von einem öden amerikanischen Jungspund durchlesen?
Warum sollte ich das tun? Also diesen Roman lesen? Ich kann keine Antwort darauf geben. Es handelt sich um eine amerikanische Geschichte, mit der ich nichts am Hut habe. Da kann ich auch nichts draus lernen. Es gibt keine erwähnenswerte Handlung, die man außerdem nicht sowieso schon hundertmal bei fähigeren amerikanischen Autoren gelesen hat. Und wie wir alle wissen: Getretener Quark wird breit, nicht stark. Stinklangweilig, stilistisch eher sehr arm. Könnte man puristisch nennen, ja klar.
Aber bitte, was soll das eigentlich? Diesen amerikanischen Schund für teueres Geld kaufen, übersetzen und darauf vertrauen, dass sich dieses Zeug hier auch verkauft. Was für eine langweilige Strategie des Suhrkampverlags, der offenbar jeden Anspruch auf ein gewisses Niveau aufgegeben hat.
Schreiben kann der Mann, keine Frage, aber worüber und warum?
Da warte ich lieber auf den Roman eines hoffnungsvollen jungen deutschen Autors, der über sein aussichtsloses Leben in der lieblichen Soester Börde schreibt, oder über den harten Alltag auf einer ehemaligen Kolchose im Niederen Fläming.