Rezension zu „Ein Tropfen vom Glück“ von Antoine Laurain

Antoine Laurain, der als Drehbuchautor und Antiquitätenhändler in Paris lebt und arbeitet war mir schon bekannt durch seinen Romas „Der Hut des Präsidenten“, den ich seinerzeit verschlungen hatte. Ein wunderbares Stück Prosa, eine skurrile Geschichte, stimmig erzählt mit einer Vorliebe für sinnliche Details.
Laurain ist in Frankreich ein gefeierter Bestsellerautor, in Deutschland ist ihm der zu wünschende Durchbruch noch nicht wirklich gelungen.
Ob sich dies mit dem vorliegenden Roman ändern wird, bleibt abzuwarten. Für frankophile Freunde jedenfalls ist Laurains Buch allemal ein Blick wert.
Sein jüngstes Stück Prosa entführt den Leser in das Paris des Jahres 2017.
Nacheinander werden dem Leser die Hauptfiguren des Romans in kurzen Kapiteln, ihre Eigenarten und Charakteristika präsentiert.
Bob, ein Amerikaner, der den lang gehegten Traum des Besuchs in der französischen Hauptstadt verwirklicht,
Magalie, eine junge Frau, die kunstfertig zerbrochene Vasen, Statuen oder andere Kostbarkeiten wieder zusammenfügen kann.
Julien, ein schüchterner Barkeeper, der hoffnungslos in Magalie verliebt ist und Hubert Larnaudie, dessen Vorfahren Besitzer des Hauses waren, in dem die Protagonisten zusammenkommen. Und nicht zuletzt Pierre Chauveau, der nicht ohne Grund den Spitznamen „Väterchen Untertasse“ trägt und der Großvater Huberts ist.
Nachdem Hubert von einem Einbrecher in seinem Keller eingeschlossen wurde und Bob, Magalie und Julien ihn mehr oder weniger zufällig aus seiner misslichen Lage befreit haben, beschließen sie, auf Anregung des durch seine Befreiung freudig erregten Huberts, eine Flasche Wein aus dem Jahre 1954 zu trinken. Das wird nicht ohne Folgen für die Vier bleiben. Unversehens befinden sie sich, offensichtlich durch den Genuss des edlen Tropfens in der Zeit zurückversetzt, in dem Jahr wieder, in dem der Wein gekeltert wurde. 1954. Das Jahr, in dem man Jean Gabin oder Edith Piaf leibhaftig in einer berühmten Pariser Bar begegnen konnte. Und das geschieht auch. Aber ab hier will ich nicht zu viel verraten. Auch inwiefern Großväterchen Untertasse in das Geschehen verwickelt ist – warum er diesen merkwürdigen Spitznamen trägt und inwieweit die Schicksale miteinander verknüpft sind, wird jetzt vom Auto langsam und genüsslich entfaltet.
Der Stil, in dem das geschieht, ist wunderbar lebendig und sinnenfreudig. Man kann den Champagner förmlich schmecken, neben Jean Gabin und Edith Piaf in Harrys Bar sitzen und einen leckeren Cocktail trinken, einiges über französische Geschichte erfahren und sich wie nebenbei durch die Geschichte tragen lassen. Fazit: Ein, nach „Der Hut des Präsidenten“, wieder sehr erfreuliches Lesevergnügen. Sehr empfehlenswert.