Eine Brille kaufen

Gestern bei Fielmann gewesen. Ich brauche unbedingt eine Ersatzbrille für meine Arbeitsplatzbrille. Da ich mein Geld zurzeit mit Video-Schulungen verdiene, ich gebe Unterricht als Dozent für Typo3, wäre ich aufgeschmissen, wenn meine Brille kaputtgehen würde.
Dann wärs das mit dem Unterrichten und da ich selbständig bin, wäre ich für den Ausfall ersatzpflichtig, müsste also den Ausfall bezahlen und hätte damit ein Riesenproblem. Eine Versicherung oder so etwas habe ich nicht. Also ab zu Fielmann und eine Brille bestellen, die sobald ich sie habe, in die Schublade wandern wird, da ich mit meiner Jetzigen hervorragend klarkomme. Also mache ich mich auf den Weg. Es ist 9 Uhr morgens und noch ein wenig frisch, ich beschließe also die 10 Kilometer nicht mit dem Fahrrad zu fahren, sondern mit der Regionalbahn und der Straßenbahn. Am Bahnhof Steinhagen warte ich gespannt auf den Zug – hoffentlich herrscht dort drinnen kein Gedränge, ich hasse das. Der Zug kommt und der mittlere Wagon ist komplett schwarz angestrichen oder beklebt, ich kann das in der Eile nicht erkennen. Ich haste also auf dem Bahnsteig zurück – ich stand genau in der Mitte vor dem schwarzen Abteil – und steige ein. Drinnen suche ich erstmal einen Automaten. Von Gedränge keine Spur, ich bin der einzige Fahrgast.
Ich frage die sichtlich gelangweilte Schaffnerin, warum denn der mittlere Wagon so schwarz sei und sie antwortet, dass Jugendliche in der Nacht den kompletten Wagon vollgesprüht habe. Womit weiß ich leider nicht, aber ich antworte: Wow – reife Leistung.
Sie schaut mich etwas irritiert an. In Brackwede muss ich aussteigen. Da mir die Straßenbahn vor der Nase wegfährt und das Wetter gut ist, die Sonne scheint, beschließe ich, zu Fuß zu gehen. Die Hauptstraße von Brackwede ist ruhig wie lange nicht. Nur ein paar Gestalten kommen mir entgegen, ein paar Türken und Paketauslieferer auf dem Bürgersteig und so gut wie keine Autos. Normalerweise herrscht hier ein reges Treiben und der Verkehr ist total ätzend. Jetzt ist es ruhig wie auf einem Friedhof, auf dem ich nach einem bestimmten Grab suche. Fielmann.
Ich latsche vor mich hin, schaue hier und dort, kaufe mir in einer Bäckerei, in der sich kein Mensch aufhält, einen Cappuccino, natürlich nicht ohne mir die bescheuerte Maske vors Gesicht zu spannen, und gehe wieder raus in die Sonne. Ich bummle weiter, verschütte Cappuccino auf meine Jacke und verbrühe mir die Hand. Und treffe auf einen alten Bekannten, den ich lange nicht gesehen habe. Wir unterhalten uns kurz über eine absurde Distanz von circa drei Metern, es will dabei keine annehmbare Stimmung aufkommen. Er erklärt mir kurz den Weg zu Fielmann, ich bin offensichtlich zu weit gegangen. Wir verabschieden uns eher schnell. Das ist alles irgendwie zu gruselig. Mittlerweile muss ich dringend pinkeln, aber es hat ja kein Geschäft auf, in der Bäckerei ist der öffentliche Bereich, also das Café, geschlossen.
Na gut, ich versuche mich und meine Blase zu beherrschen.
Der Termin ist ausgemacht und ich verbringe die nächste Stunde mit einer Optikerin, die ein paar Mal von meinem Verhalten oder dem was ich sage, irritiert ist. Sie scheint durcheinander zu sein, redet mich sich selbst, sagt aber auch, das solle mich nicht irritieren. Ich sage: Nein nein, kein Thema, das mache ich auch ganz gern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.