Rezension zu „Diving deep“

„The deeper the Water the Uglier the Fish“ lautet der eigentliche Titel des Romans von Katya Apekina und so ungenau die Übersetzung des Titels ist, so wenig überzeugend erscheint mir der Rest des Buches in sprachlicher Hinsicht. Doch dazu später mehr. Die Geschichte ist bedrückend – zwei Schwestern, die bei ihrer recht durchgeknallt erscheinenden Mutter leben, müssen zu ihrem berühmten Schriftstellervater nach New York ziehen. Die zweifelhaften pädagogischen Methoden der Mutter werden durch einen Selbstmordversuch gekrönt, der zufällig scheitert, weil ihre Tochter sie am Strick von der Küchendecke hängend findet und rettet.

Die Beziehung zum Vater ist denkbar schlecht, hat er ihre Mutter und sie vor etlichen Jahren aus eigentlich unklaren Gründen verlassen – zum Beispiel, um sich seiner Karriere widmen zu können, oder weil er die Situation mit der damals schon seelisch angeschlagenen Mutter nicht ertrug. Man weiß es nicht. Das ist für mich eher ein Anreiz gewesen, den durchaus nicht unspannenden Roman weiterzulesen. Die Beweggründe der Figuren bleiben dadurch, dass jeweils Kapitelweise aus der Sicht der Person erzählt wird, genauso widersprüchlich und unergründlich, wie das Wesen der Menschen wohl sein mag. Halleluja – preiset den Herrn.

Und trotzdem die Geschichte in der Schilderung der seelischen Untiefen ihrer Figuren ja tatsächlich deep deep into the water diven könnte, bleibt sie irritierender Weise dümpelnd an der Oberfläche.

Der stilistische Schachzug, die Story aus der jeweiligen Sicht sämtlicher Figuren zu erzählen, hat seinen Reiz, aber Zwischentöne fallen dadurch weg. Die Person Mae erzählt ihre Geschichte und ihre Schwester Edith die Ihrige. Auf wessen Seite sich der Leser nun schlägt, bleibt ihm selbst überlassen und sich einen Reim daraus zu machen ebenfalls, wobei die Storyline schon im wesentlichen gewahrt bleibt. Es mag sein, dass die Übersetzung nicht den Ton trifft oder dass die Autorin nicht in der Lage ist, die Figuren ähnlich kunstvoll wie es Margret Mitchell gelingt, sprachlich zu unterscheiden. Die jeweiligen Aussagen erscheinen wie zu Protokoll gegeben – dabei sind sehr schöne Passagen dabei, die mir gut gefallen. Die Ausdifferenzierung der Figuren erscheint mir zu schwammig, die Psychose der Mutter zum Beispiel durch eine kleingeschriebene Aneinanderreihung von zwar poetischen, aber eher irritierenden Worten deutlich zu machen, ist ein netter Versuch. Mich überzeugt er nicht. Da hätte ein auktorialer Erzähler wesentlich mehr erreichen können.

Die Story an sich ist natürlich extrem an den Haaren herbeigezogen, es geht dabei dann auch um eine Art herbeifantasiertem Missbrauch durch den Vater. Da taucht dann noch eine junge Liebhaberin des Vaters auf und ein junger Mann, der sich an eine der Töchter heranmacht. Aber da habe ich nur gedacht: Junge – lass die Finger von der durchgeknallten Braut. Aber wo die Liebe so hinfällt …

 OK, spannend ist das Ganze schon – ich habe mich nicht gelangweilt.