Die Kunst und die Wurst

Hört sich erstmal cool an, auch wenn ich damit eher körperbetonte Gymnastik verbinde. Allein die abnehmende Ausbreitung des Virus zum Anlass zu nehmen, die Ausgangsbeschränkungen aufzuheben, um der Kultur und vor allem der Wirtschaft nicht noch mehr zu schaden – ich weiß ja nicht.
Ich erinnere mich an einen Besuch mit einer Freundin in Münster. Das Wetter war ausgesprochen gut, sonnig, wohltemperiert, und wir näherten uns dem Wochenmarkt in der Innenstadt am Dom. Ich hatte ein ungutes Gefühl, stehen Menschenansammlungen bei mir nicht unbedingt hoch im Kurs. Und wie ich es befürchtet hatte – der Markt war brechend voll. Tausende Menschen zwängten sich durch das riesige Angebot an Blumen, Wurstwaren, Tees, Klamotten und was weiß ich.
Das ist ja nicht prinzipiell schlecht, aber ich kann mich einfach nicht so nahe und eng unter Menschen aufhalten. Zu viele Düfte, zu viele Bilder, zu viele Geräusche, zu viel Nähe – zu viele Eindrücke, die mich komplett überfordern. Ein Alptraum für Menschen wie mich.
Also bin ich ins LWL-Museum gegangen, ein großartiges Kunstmuseum, das genau neben diesem Markt liegt und das eh mein eigentliches Ziel war. Also rein und siehe da – zwei Frauen hinter dem Kassentresen, ein paar Mitarbeiter, die sich ihre paar Kröten als Aufpasser verdienen. Sonst kein Mensch.
Ich gehe erstmal nach oben, um einen Überblick über den Markt zu bekommen. Ich schaue von oben herab aus dem Fenster auf den Markt, beobachte die Menschentrauben, die sich durch die engen Gassen zwischen den Wagen zwängen und denke: Genau das ist es – keine Sau interessiert sich für Kunst, wenn es etwas zu Fressen gibt.
Und in diesem Augenblick erschien mir das wie der Stellenwert von Kunst, er ist gleich null.
Und wenn es um die Wurst geht, im wahrsten Sinne des Wortes, dann steht die Kunst auf verlorenem Posten. Im Grunde muss man die Kunst vor der Wurst schützen.
Oder können beide Hand in Hand gehen? Die Kunst und die Wurst?
Der Fleischer und der Maler Hand in Hand?
Die Floristin und die Bildhauerin friedvoll vereint?
Ich denke schon, nur das Publikum wird schwierig.
Man kann Kunst halt nicht essen – immerhin mit den Augen verschlingen.
Jedem das seine könnte man erstmal denken, aber wenns hart auf hart kommt, hat die Kunst ohne Schutz durch unseren Staat, ohne Förderung leider komplett verschissen.