Autobiografisches Schreiben

  1. Denke sie an eine Familiengeschichte, die sie schon oft erzählt oder gehört haben. Machen sie sich Notizen dazu und überlegen sie, wie das Thema dieser Geschichte lauten könnte. Dann schreiben sie die Geschichte auf, und zwar kurz und knapp, ohne von ihrem Thema abzuschweifen und ohne zu erklären, wer die Personen in dieser Geschichte sind. Sparen sie sich jede Hintergrundinformation.
  2. Stellen sie sich vor, die sprechen mit einem guten Freund. Notieren sie ihre Gedanken zu ihrer Geschichte aus Punkt 1, als ob sie mit ihrem Freund darüber reden, der die Geschichte bereits kennt. Glauben sie, dass sie ihre Geschichte der Wahrheit entsprechend erzählt haben? Was haben sie ausgelassen, damit keine Beteiligten sich verletzt fühlen? Was sagt die Geschichte über die darin vorkommenden Personen aus und was über sie?
  3. Schreiben sie jetzt die Geschichte noch einmal neu, indem sie ihre Zweifel oder ihre Erkenntnisse aus Punkt 2 mit einfliessen lassen. Inwiefern wird die Art, wie sie die Geschichte erzählen, davon beeinflusst?
  4. Erinnern sie sich an andere Familiengeschichten, aber schreiben sie sie nicht auf – benennen sie nur: “Die Geschichte von …” Und und so weiter. Wenn sie ein paar Geschichten aufgezählt haben, schreiben sie auf, was sie früher über sie gedacht haben (“Ich dachte immer, in der Geschichte ginge es um …”) Und wie sie heute darüber denken (“Aber nun glaube ich, eigentlich geht es um …”)
  5. Machen sie sich eine Liste der Familiengeschichten (oder anderer Gruppen), die oft wiederholt werden. Zu welchem Zweck werden diese Geschichten ihrer Meinung nach erzählt? Welchen Mythos sollen sie stützen?
  6. Schreiben sie auf, wie sie ihre Erinnerung eingrenzen könnten, und beginnen sie mit bestimmten Lebensabschnitten wie zum Beispiel “das Jahr, in dem ich zur Uni ging” oder “die Zeit, in der meine Mutter starb”.
  7. Suchen sie Themen, die für Erinnerungen geeignet wären, wie zum Beispiel ihr Verhältnis zum Essen, zum Sex, zu einem Geschwisterteil, zu ihrer Arbeit, ihrem Hund, den Wohnungen, in denen sie gelebt haben, zu ihren politischen Ansichten etc.
  8. Wählen sie jemanden, der ihnen nahesteht – ein enger Freund, ein Familienmitglied, ein Lehrer oder Mentor – und stellen sie sich vor, dieser Person alles über eines dieser Themen zu erzählen, die sie in Punkt 6 oder 7 zusammengestellt haben. Schreiben sie auf, was sie der Person anvertrauen würden und sprechen sie sie dabei auch tatsächlich an.
    Wenn sie ihren Text anschließend lesen, achten sie auf die Stellen, die nicht so klingen, als ob sie wirklich reden würden.
    Überarbeiten sie ihn so, dass er sich eher wie ein Gespräch anhört.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.