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Ist die Erzählperspektive eindeutig und paßt sie?
Sind meine zentralen Charaktere lebendig, glaubwürdig, mehrdimensional?
Ist die Geschichte dynamisch und fesselnd erzählt?
Entfaltet sich eine fiktionale Welt, die in sich stimmig ist und ihrer eigenen Logik folgt?
Gelingt es mir, eine komplexe Einheit zu erzeugen, die durchsichtig ist und doch ein letztes Geheimnis bewahrt?

Erzähle ich eine Geschichte oder reiße ich nur mehrere an?

Was wollte ich schreiben? Was ist daraus geworden?
Was ist der Kern des Werks und was sein Ziel?
Worum geht es in Wirklichkeit?
Mit welcher >Prämisse< würde ich es in Hollywood verkaufen?

WAS IST MEIN THEMA?

Sein Werk überarbeiten heißt, es systematisch auf Schwachpunkte abzuklopfen. Seien Sie kritisch, übertreiben Sie aber nicht. Um Ihnen die Suche zu erleichtern, liste ich eine Reihe von Stichworten auf, die typische Fehler anschneiden. Sie ergänzen die gerade genannten Fragen, die Checkliste zum plotting (S. 119 ff.) und die Hinweise im Kapitel »Drum prüfe ...« (S. 223). Gehen Sie auch noch einmal die Stichworte zur Personenbeschreibung und zum Charakterbild (S. 71 f.) durch.

Nabelschau: Ist der Roman, als Tagebuch- oder als Psychoanalyseersatz, nur für den Autor selbst geschrieben? Larmoyanz:  Haben Sie alle Stellen, die wehleidig wirken könnten, getilgt?

Steckbriefdetails: Finden sich noch allzu leicht identifizierbare Details aus Ihrem Leben, insbesondere aber aus dem Leben Ihrer Vorbilden? Wenn ja, verwischen Sie die Spuren.

Moralischer Zeigefinger: Haben sich in Ihre Geschichte persönliche Wertungen eingeschlichen, ohne daß sie Ausdruck der Charaktere sind?

Interesse: Interessieren Sie sich wirklich für Ihre Figuren? Mögen Sie sie?

Gerechtigkeit: Wurden die Grundregeln der epischen Gerechtigkeit beachtet?

Leserbezug: Ist der Bezug zwischen der >Realität< der Geschichte und dem Leben der Leser immer einsichtig?

Titel: Ist der Titel aussagekräftig und suggestiv? Suchen Sie nach Varianten. Achten Sie auf Rhythmus und Klanggestalt.

Motto: Falls Sie ein Motto voranstellen: Fügt es dem Text einen ungewöhnlichen Aspekt hinzu?

Thema: Ist das Thema von allgemeinem Interesse?

Keim: Was war eigentlich der Keim Ihrer Geschichte? Gibt es eine innere Verbindung mit dem Thema? Wenn nicht, warum? Wie einheitlich ist Ihr Roman?

Autor/Erzähler: Mischen Sie sich gelegentlich in die Geschichte ein?

Erzähler: Bleiben Perspektive und Stimme des Erzählers konsistent?
Klingt er manchmal überheblich oder angeberisch?
Ist er voreingenommen?

Erzähldistanz: Wechseln Sie (zu) häufig die Distanz zu Ihren Figuren?

Personaler Erzähler: Fallen Sie gelegentlich aus der personalen Erzählweise? Kommentieren Sie gar die Figuren und Geschehnisse? Wechseln Sie unsystematisch und zu häufig die Perspektive?

Ich-Erzähler: Spricht der Ich-Erzähler mit unverwechselbarer Stimme? Aus welcher Distanz erzählt er? Weiß er nicht mehr, als ihm sein Blickwinkel erlaubt?

Namen: Haben sich die Namen mit den Charakteren untrennbar verbunden?

Sympathieträger: Gibt es genügend sympathische Charaktere? Können die Erlebnisse der Hauptfiguren emotionale Anteilnahme wecken?

Runde Charaktere: Sind Ihnen Ihre Protagonisten ambivalent genug geraten? Können Sie den Leser überraschen? Ist die Charakterisierung konsequent und treffend in den Details?

Charakterisierung: Ist Ihre Personenzeichnung konkret und differenziert genug? Haben Sie die Figuren in ihrem Handeln gezeigt, oder haben Sie sich auf Behauptungen verlassen?

Schwarz-weiß-Malerei: Haben Sie den Antagonisten nicht zu schwarz gemalt? Lassen Sie auch den >Bösen< ihre berechtigten, zumindest verständlichen Motive? Ausgeglichenheit

Stärke: Sind die Gegner in etwa gleich stark?

Motivation: Kann der Leser sich in die Motive der Charaktere hineinversetzen?

Überzeugen sie auch Skeptiker? Sind sie in sich stimmig?

Kontrast: Gibt es genügend Kontraste unter den Charakteren?

Aktivität: Handeln Ihre zentralen Figuren oder bleiben sie Marionetten?
Haben sie klare Ziele, die sie ambitioniert verfolgen, oder versinken sie in Passivität?

Charakterwandel: Erfolgt er nicht zu schnell, sondern Stufe für Stufe und nachvollziehbar?

Rätsel: Gibt es noch rätselhafte Momente in der Charakterzeichnung und in der Geschichte selbst? >Rätsel< bedeutet allerdings nicht, absichtlich Informationslücken zu lassen!

Nebenfiguren: Sind Ihre Nebenfiguren einprägsam, lebendig?

Beziehungsstruktur: Ist das Beziehungsgeflecht zu komplex? Gibt es überflüssige Figuren? Sind alle Beziehungsmuster ausgeschrieben oder zumindest angedeutet? Oder ist das Beziehungsmuster zu einfach?

Strukturmuster: Nach welchem typischen Strukturmuster ist Ihr Roman angelegt?

Plotmodell: Welchem Plotmodell bzw. Meisterplot kommt er am nächsten? Welche Modelle haben Sie miteinander verbunden? Haben Sie nach neuen Varianten gesucht?

Möglichkeiten der Geschichte: Haben Sie alle Einfalle überdacht und ausprobiert?

Wahrscheinlichkeit: Ist Ihre Geschichte glaubhaft und wahrscheinlich?

Übertreibungen: Gibt es noch zu viele melodramatische und kolportagehafte Elemente?

Gefühle: Steht wirklich etwas auf dem Spiel? Konflikte um Kleinigkeiten machen keine Geschichte!

Krisen und Konflikte: Sind die Krisen durchsichtig, nachvollziehbar und zwangsläufig? Treiben die Konflikte die Geschichte voran? Lassen sich die Konflikte steigern bis hin zur Unausweichlichkeit einer Auseinandersetzung?

Lösung: Ist die Lösung des Konflikts in ihm selbst angelegt oder erfolgt sie durch einen deus ex machinal

Anfang: Ist die Eröffnung unangreifbar? Ist sie faszinierend, fesselnd, nicht zu langsam, und zieht sie in die Geschichte hinein?

Angriffspunkt: Gibt es eine Szene, aus der heraus die eigentliche Handlung sich entfaltet? Ist ihre Verbindung mit der Eröffnung klar genug?

Aufbau der Handlung: Zeichnen Sie den Handlungsaufbau in einem Schaubild auf. Überprüfen Sie das Ineinandergreifen der Szenen und ihren Rhythmus. Nehmen Sie die statischen Stellen heraus oder schaffen Sie Bewegung.

Spannungsdramaturgie: Verläuft der Spannungsbogen nach dem Muster der Kippschwingung? Baut sich die Spannung rhythmisch bis zum finalen Höhepunkt auf? Gibt es ungewollte Spannungslöcher und Längen, in denen keine Bewegung spürbar ist?

Überraschungen: Gibt es unerwartete Wendungen und Überraschungen, oder ist das Geschehen zu deutlich antizipierbar?

Aufmerksamkeitslenkung: Haben Sie den Blick des Lesers klar und unauffällig dorthin gelenkt, wohin Sie ihn haben wollten? Haben Sie Ihre Erzählakzente richtig gesetzt? Unwichtiges sollte nicht breit ausgeführt und über Wichtiges hinweggehuscht werden.

Suspense: Haben Sie nicht zu früh zu viel verraten? Der Leser muss rätseln können, braucht Geheimnisse, muss in spannungsvoller Schwebe gehalten werden.

Höhepunkt: Kommt der Höhepunkt nicht zu früh? Ist er vorbereitet, aber nicht vorhersehbar?

Ende: Ergibt sich das Ende der Geschichte zwangläufig aus dem Verlauf der Handlung und dem Charakter des bzw. der Protagonisten? Ist es einsichtig, klar und akzeptabel? Haben Sie sich auf keinen vorschnellen Schluss eingelassen? Fehlen alle losen Enden? Bleiben keine noch zu beantwortenden Fragen offen?

Offener Schluss: Haben Sie sich diese Lösung gut überlegt? Ist sie wirklich die einzig mögliche und überzeugende? Ist sie einsichtig? Wird der Leser seine Antwort finden?

Darstellungsmodi: Wie ist das Verhältnis von szenischen und nichtszenischen Darstellungsformen? Gibt es nicht zu viele beschreibende Passagen? Zu lange trockene Berichte?

Szenen: Sind die Szenen dicht? Beginnen sie nicht zu früh? Sind sie in sich strukturiert mit einem Höhepunkt? Bewegt sich etwas in ihnen? Geht es um ein konfliktgeladenes Geschehen? Gerät die Handlung irgendwo ins Dahinplätschern? Enden die Szenen mit Cliff-Hangers!

Dialoge: Sind die Dialoge knapp, informativ, lebendig, prägnant? Sprechen die Gesprächspartner wirklich untereinander und nicht zum Leser hin? Werden sie nicht zum Sprachrohr des Erzählers oder gar des Autor oder der Autorin? Sind alle unnötigen »sagte sie/er« getilgt?

Überleitungen: Sind die Szenen überzeugend miteinander verknüpft? Sind die Sprünge gesichert?

Rückblende: Sind die Rückblenden zu lange geraten? Sind sie in sich strukturiert?

Einblendungen: Haben Sie den Text nicht durch zu häufige Einschübe unruhig gemacht und den Lesefluß gestört? Können nicht Informationen, die bisher durch Ein- und Rückblenden eingestreut wurden, durch Handlung und Dialog vermittelt werden?

Reflexionen: Wird zuviel reflektiert? Gar kommentiert und beurteilt? Lassen Sie dem Leser die Möglichkeit, seine eigenen Schlüsse zu ziehen.

Komposition: Haben Sie die einzelnen Erzählelemente und Motive ausreichend miteinander verschränkt? Gibt es genügend Vorausdeutungen, Hinweise, Andeutungen, Querverbindungen, Nachspiele usw.? Gibt es Parallelereignisse, Spiegelungen, gegenläufige und gespiegelte Elemente? Haben Sie die Oppositionen gut akzentuiert?

Erzählrhythmus: Ist der Erzählrhythmus abwechslungsreich und geschmeidig?

Sachliche Fehler: Haben Sie alle Fakten überprüft? Widerspruchsfreiheit: Haben Sie Ihren Roman auf mögliche Widersprüche in allen seinen Bereichen überprüft? Lassen Sie keine Unklarheiten aukommen. Der Leser muß sich darauf verlassen können, nicht auf Ungereimtheiten zu stoßen.

Ökonomie: Haben Sie alles Überflüssige herausgestrichen? Gehen Sie den Text immer wieder auf Redundanzen durch, und suchen Sie nach blinden Motiven.

Welthaltigkeit: Ist genügend >Welt< in Ihrem Roman? Komplexität: Ist die Mischung von Klarheit und Komplexität richtig? Ist die Handlung nicht unnötig kompliziert oder gar undurchsichtig, aber auch nicht simpel und vorhersehbar?

Zeit: Ist die Zeit spezifisch genug? Der Zeitablauf logisch? Setting: Ist es Ihnen gelungen, die Darstellung von Raum und Stimmung knapp, aber einprägsam und suggestiv zu gestalten? Kann der Leser seine Phantasie einbringen? Gibt es genügend Anstöße zu Visualisierung und Imagination? Orchestriert das Setting unaufdringlich das Geschehen? Sind die Symbolräume nicht zu aufdringlich?

Stimmung: Wird die Stimmung manchmal unfreiwillig zerstört?

Sprache: Achten Sie dabei auf die allgemeinen Regeln zur sprachlichen Gestaltung (S. 199 ff.). Denken Sie immer daran, dass die Sprache das letzte und entscheidende Qualitätskriterium eines Romans ist.

Komik: Witzige Formulierungen, überraschende Wendungen, komische Situationen, gegebenenfalls auch ironische Pointen lockern einen Text auf und erhöhen die Lust am Lesen. Seien Sie weder bierernst, bedeutungsschwanger noch dröge.

Ironie: Sind Sie gelegentlich unfreiwillig ironisch?

Symbolik: Haben Sie zu viele aufdringliche Symbole verwendet? Streichen Sie Symbolgeröll und Klischees. Wandeln Sie Symbolzitate in Anspielungen um. Erzeugen Sie unter Umständen symbolische Tiefe durch entsprechende Strategien.

Stereotype: Gibt es noch Passagen, in denen Sie auf Versatzstücke zurückgreifen mussten? Tilgen Sie vorhandene Klischees.

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